marderh.blog

26/8/2004

Fotos gibts

Filed under: — stefan @ 15:27

Provided “as is”:
Ich hatte noch keine Zeit unscharfe oder sonstwie schlechte zu entfernen.
Zu meinen Hochzeits- und Syrienfotos hier entlang
Zu Georgs Fotos

20/8/2004

Rückflug

Filed under: — stefan @ 16:55

Ziemlich Übernachtig gehts zum Flughafen. Es ist jetzt grad en bisschen nach 4 Uhr früh und auf diesem Provinzflughafen ist fast nix los. Es sind zwar Leute da, aber ich vermute die knotzen da nur wegen der klimatisierten Halle herum…
Um 4:30 sollte eigentlich der CheckIn öffnen. Tut er aber nicht. Trotzdem bildet sich, wie aus dem Nichts, eine Schlange vor dem Einlass, der plötzlich bewacht wird. Volumensmässig stehen in dieser Schlange sicher 5x mehr Gepäckstücke als Menschen. Nach einiger Zeit des Betrachtens dieser kuriosen Koffer- und Bündelmengen, öffnet der Schalter und ich lass mich von Lona überreden mich auch da anzustellen. Neben der Schlange werden an einem Schalter kleine Markerl verkauft, die offenbar zum Betreten des Flughafens notwendig sind. Ich weigere mich natürlich sowas zu kaufen. Im Prinzip eine Frechheit. Ich bleibe hart. Nicht lange… Lona kauft das Markerl für mich. Natürlich is das eh besser, weil direkt hinter mir weigern sich auch welche das Ding zu erwerben und werden natürlich ned reingelassen. Ich verabschiede mich von Jakob und (länger) von Lona. Wir sind das erste Mal seit unserer Hochzeit getrennt. Buhuh.
So ich bin auf mich allein gestellt, ohne Dolmetscherin. Die erste Gepäckkontrolle gleich nach dem Eingang und das Gpäckaufgeben gehen noch ohne Probleme an mir vorbei. Weiter gehts mit der Passkontrolle:
Hier läufts schon eher unrunder. Der erste Typ schickt mich zum Schalter “Arab Passports”. Der Typ dort schickt mich wieder weg. Der andere mich wieder hin. usw. Irgendwann erbarmt er sich doch und nimmt meinen Pass und tipselt in seinem antiquierten Rechner herum. Oh ein Problem. Er will offenbar irgendein Papier von mir…
Langsam versteh ich: Das leere Visa-Formular mit dem Stempel von der Einreise. OhOh hab ich nimmer. “Mafi (Es gibt nicht) Paper”. Wie gut, dass doch ein paar Brocken Arabisch hängen geblieben sind. Englisch kann da jedenfalls keiner. Drei mal sag ich noch “maafi paper” und er gibts auf und lässt mich durch.
Noch schnell in den DutyFree-Shop und die letzten Lira loswerden. Fehlanzeige. Zahlen kann mensch nur mit Dollar oder Euro. Dafür is es relativ billig. Raus aus dem Shop und einen Tee trinken. Es ist jetzt 5:00 und die Müdigkeit (die Nacht ist ja durchgemacht) breitet sich in mir aus. Der Barkeeper schläft und muss erst gesucht und geweckt werden. Der Tee (Lipton Schmarrn bäh) kostet so viel wie ein ganzes Abendessen draussen hilft mir aber zumindest einige Zeit über den Durchhänger. Aber jetzt:
Das Gate wird geöffnet. Wieder Schlange stehen. Sonst ist in diesem Land kein Mensch pünktlich, am Flughafen sinds aber alle sofort dran. Nochmal Kontrolle von Pass und Handgepäck. So jetzt könnts eigentlich losgehen.
Kanns natürlich nicht, das Flugzeug ist zwar da, aber keiner darf einsteigen. Ich versteh sowieso nix und leg mich hin. Eher unbequem so auf meinem Rucksack gebettet. Offenbar fehlt ein Typ in der Maschine, die vorher starten sollte und der ist bei uns. Also im falschen Gate. Mindestens fünf mal rennen Flughafenknechte durch und suchen den Kerl. Wer is es?
Natürlich der einzige Depp unter hundert Leuten, der grad schläft, eh klar. Irgendwann überreissen das auch die Knechte und ich hoffe auf baldige Abreise. Nix da.
Eine junge Frau, begleitet von drei Offizieren, die ihr Handgepäck tragen, betritt die Szene, wird um alle Kontrollen herumgeführt und zu unserem Flieger chauffiert. Nettes Service. Kurz darauf darf auch das gewöhnliche Volk in den Bus, der uns ungefähr 50 Meter hin zum Flugzeug transferiert. Im Flieger ist das Chaos perfekt. Die Leute streiten um Platz in den Handgepäcksfächern. Der Flieger kommt schon aus Damaskus und war nur halb voll, doch in den Handgepäcksfächern ist fast kein Platz mehr. Die Syrer schleppen offenbar die halbe Lebenmittel- und Kunstgewerbeproduktion des Landes mit nach Europa und zwar als Handgepäck. Das Personal bemüht sich, baut Sauerstoffflaschen aus und schafft so noch etwas Platz für meinen Rucksack. Ein neuer Konflikt bahnt sich an:
Die junge Frau von vorhin hat, offenbar aufgrund von guten Beziehungen, einen Platz bekommen, der eigentlich besetzt ist. Eine Familie muss ein Kind auf die Schoss nehmen. Welche das jetzt sein soll dürfte die Ursache der Streiterei sein. Ich steh jedenfalls sicher nimmer auf. Es trifft eine Familie. Er Syrer, sie Deutsche und drei Kinder. Köstliche Dialoge spielen sich direkt vor meiner Nase ab. Sie: “Jetzt beschwer dich doch mal, das ist eine Riesensauerei was die hier mit uns machen”. Er versuchts (allerdings sehr höflich) ohne Erfolg. Irgendwann sind alle mehr oder minder zufrieden und schweigen. Ich nutze die relative Stille zum Schlafen und wache erst in Wien wieder auf.

19/8/2004

Aleppo

Filed under: — stefan @ 18:39

So. Die Abreise rückt näher. Mein Flug geht von Aleppo (sehr zeitig in der Früh) und um mir eine halbe Nacht im Hotel zu ersparen, fahren wir (Jakob, Lona und ich) schon am Vortag hin. Lonas Mutter und ihre Tante wollen noch irgendwelches Zeug (Stoffe u.ä.) einkaufen und kommen auch mit. Die Busfahrt mit dem Linienbus ist etwas holprig und die Serpentinenstrassen tragen auch nicht unbedingt zu grossem Wohlbefinden meinerseits bei, da ich am Vortag (wegen Einpacken) erst um 4Uhr ins Bett komm um dann heut wieder um 7 geweckt zu werden, und schlafen geht bei dem Geschaukel nicht wirklich. Höhepunkt der Fahrt ist ein Rasthaus, wo ich Laziza (alkfreies, bierähnliches Malzgetränk mit Fruchtgeschmack) kennenlerne.
In Aleppo angekommen, gehts gleich in die Innenstadt zum Haus, wo Lonas Familie früher gelebt hat. Das Taxi kann nicht bis vor die Haustür zu fahren und so gehen wir die letzten Meter durch enge Gassen zu Fuss. Lona schwelgt in Kindheiterinnerungen. Die (mittlerweile unbewohnte) Wohnung, das Haus samt begrüntem Innenhof und das ganze Überhaupt, so mitten in der Altstadt (die Grundmauern scheinen aus byzantinischer Zeit zu sein) fasziniert mich sehr. Obwohls draussen sehr laut und staubig ist, ists hier herinnen fast ganz ruhig und angenehm kühl. Der Keller würd mich sehr reizen, aber laut der Nachbarin war da schon seit mehr als 10 Jahren keiner mehr unten und zugräumt soll er auch sein. Somit muss ich mich mit dem Dach begnügen. Ist aber auch fein und man muss über kleine verwinkelte Stiegen da rauf klettern.
Die Stadtführung beginnt:
Die grösste Sehenswürdigkeit von Aleppo ist natürlich die Festung, die mächtig über (bzw. mitten in) der Stadt, auf einem (IMHO) aufgeschütteten Hügel liegt. Es ist jetzt früher Nachmittag und der Hatscher da rauf bringt mich zum schwitzen. Die Aussicht von oben und die Kälte und Dunkelheit der ehemaligen Kerker und Vorratsräume versöhnt mich. Juhu alte Steine.
Lonas Vater erweist sich als guter Führer, kennt interessante Plätze und weiss viel darüber.
Nächste Station unserer kleinen Tour ist der Basar. Ich kannte ja bisher nur den Basar in Istanbul, wo hauptsächlich (Gold-)Schmuck, Teppiche und Touristenschmarrn gehandelt wird. Hier ist das ziemlich anders. Es gibt eigentlich so ziemlich alles. Natürlich haben immer mindestens 10 Geschäfte, oder eher Verschläge, nebeinander nahezu die gleichen Waren. Alles wirkt sehr lebendig und (für mich Eurozentristen) sehr orientalisch. Gewürze, Nüsse, Fleisch, Stoffe, Seifen, Wasserpfeifen und und und…
Bemerkenswert sind die Seile, die bei manchen Geschäften in der Mitte von der Decke hängen. Sie dienen zum Verlassen (eher ein Rausschwingen) des Standes, da die aufgeschlichteten Waren die Vorderseite völlig zustellen. In dem, an den überdachten Basar, angrenzenden Gewirr von kleinen Gassen gibts noch viel mehr Geschäfte und auch noch erhaltene Höfe, die seinerzeit zur Unterbringung von ganzen Karawanen gedient haben.
Weiter gehts mit einem kurzen Abstecher in die Strasse, wo Jakob früher gelebt hat. Eine ganze Strasse mit Kupferschmieden, die so Halb auf der Strasse arbeiten. Produziert (und wohl auch verkauft) wird alles Mögliche: Vom Boiler für die Dusche bis zu Kochgeschirr.
Ab ins Taxi und nach etwa einer dreiviertel Stunde Fahrt sind wir beim Saint Simeon Kloster, das zwar als Festung beschildert ist, aber keine Befestigungen hat und somit auch keine ist. Gut so, denn in der Umgebung gibts einige Festungen, von denen nur mehr ein paar Steine übrig sind. Von diesem Berg sieht man übrigens schon die (in diesem Abschnitt seit 1936 “temporäre” :-) ) türkische Grenze. Saint Simeon (ist alles französisch beschildert, keine Ahnung wie der sonst heisst) war ein christlicher Asket, der einen Grossteil seines Lebens auf einer Säule sitzend verbrachte. Diese frühchristlichen Asketen waren so was wie ein Ausflugsziel für die, in der Nähe lebende, Bevölkerung, die sie auch mit Nahrung versorgte.
Nettes Bild: “Schatzi, Was mach ma am Wochenende?”; “Wir schauen uns den Wahnsinnigen auf der Säule an! Oder vielleicht doch lieber den Eingemauerten?” :)
Die Ruinen des Klosters sind auf jeden Fall sehenswert. Die Öffnungszeiten sind gewohnt ungut. Um 18h00 wär eigentlich Schluss. Dafür ist den ganzen Tag in der brütenden Hitze geöffnet. Danke lieber Herr Tourismusminister.
Zurück in Aleppo krieg ich endlich nach drei Wochen ein Döner (hierorts Dscha_urmah) aus Lammfleisch und nicht vom Hendl. Dazu gibts scharfe Pfefferoni. Mhm…
Wir spazieren durch die Stadt; Lona versucht Schuhe und eine Tasche zu kaufen, geligt aber nicht; Ich seh so witzige Typen mit Fez (dieser Hut, den der Meindl-Mohr aufhat) und sowas wie einer riesigen Teekanne (mit Plastikblumen geschmückt) am Rücken. Ich denke sie verkaufen Tee, aber Jakob erklärt mir, dass sie zwei dubiose Säfte, aus mir unbekannten Wurzeln verkaufen. Sowas muss sofort probiert werden. Der Verkäufer hat eine kleine Kanne, mit der er die Gläser auswäscht, bervor er sich verneigt und so aus der grossen Kanne am Rücken einschenkt. Der luxusgewohnte Europäer bekommt noch einen Strohhalm dazu. Der Saft schmeckt süss und etwas sauer. Er soll gegen irgendwelche Nierenbeschwerden helfen oder vorbeugen, weiss ned. Gut. Auch der zweite Saft muss probiert werden. Anderer Verkäufer, ähnlicher Ablauf. Und bäähhh. Der hats in sich. Der Saft ist extrem bitter und ganz leicht süss (ein bissi wie Lakritze, aber noch viel grauslicher). Der muss extrem gesund sein.
Wir gehen noch ein Eis essen, in das Cafe, wo sich Lonas Eltern vor 100000 Jahren immer getroffen haben. Eis ist gut und vertreibt den bitteren Saftgeschmack.
Langsam stellt sich die Frage wo mein Gepäck hinsoll. Derweil ist es bei den Nachbarn deponiert, doch die betagte Dame ist alt und krank und ich muss erst um 04h00 zum Flughafen und keiner will sie so früh (oder spät) wecken.
Das Gepäck zu deponieren erweist sich als schwieriger als gedacht. Auf jeden Fall gibts am Bahnhof keine Gepäckaufbewahrung.
Jakob hat die Idee das Gepäck gegen Trinkgeld bei einem Portier in einem der zahlreichen Hotels unterzustellen. Doch die ersten paar Portiere, die wir fragen sind nicht so überzeugt von der Idee und wimmeln uns ab. Endlich, in einer unglaublich grindigen Hütte, willigt der Portier ein. Dieses “Hotel” beginnt im dritten Stock und ist nur über eine Hendlstiege zu erreichen. Nach einigem bürokratischen Aufwand (Ausweise dalassen etc.), wird das Gepäck angenommen. Wir gehen derweil (zum Zeittotschlagen) nochmal Essen. In diesem Lokal (untertags ein Schwimmbad) war Jakob seit 30 jahren nicht mehr, die Qualität passt aber immer noch. Wir essen und plaudern. Lona ist ein bissi angfressn und traut der ganzen Aufbewahrungsgeschichte nicht. “bäh bäh bäh, allein der Koffer ist ein Monatsgehalt von dem Portier wert etc…” Naja lass ma´ uns überraschen.
Zurück zu dem Hotel und drei Stockwerke hinaufgewabbelt, na super die Glastür is zu und der Koffer der vorher dahinter stand is auch ned da…
Vor meinem geistigen Auge erscheint eine Szene: Der ursprüngliche Portier is nimmer da und der Nachfolger weiss nix von Koffer und Vorgänger…
Nach einigem Klopfen erscheint dann doch der Originalportier und erklärt, dass er den Koffer aufs Dach getragen hat. Hm. Komisch. Wir gehen (eher klettern, die “Stiege” herauf war schon a Frechheit, das jetzt ist mehr eine Leiter). Auf dem Dach liegen Decken herum. Ich glaube zuerst, dass hier Leute schlafen, aber der Portier meint, dass sie nur zum auslüften da sind. Der Koffer steht tatsächlich auf dem Dach! Etwa 50 Meter von dem Aufgang entfernt. Ich versteh ned, was das soll, beginne aber den Koffer runterzuschleppen. Mich legts fast auf, ohne wars schwer genug, mit 25 Kilo Koffer werden Leiter und Hendlstiege richtig ungemütlich. Wie der Tattergreis von Nachtportier das gemacht hat ist gleichfalls rätselhaft. Zurück im Taxi Richtung Flughafen klärt Jakob die Geschichte auf:
Der Portier war sehr froh uns zu sehen. Er hatte nämlich Angst, dass wir ihm da eine Bombe hinterlassen haben. Zur Verringerung von möglichen Schäden im Falle einer Explosion hat er den Koffer aufs Dach getragen. Aufpassen, Es explodiert so vü…

18/8/2004

Letzter Abend

Filed under: — stefan @ 15:42

Nach einem weiteren Erholungstagen am Strand, steht der letzte Abend im Kreis meiner neuen Familie an. Man beschliesst mit mir aus der Stadt rauszufahren und in einem der Dörfer rundherum, bei so einer Art Imbiss, Essen zu gehen. Um dabei auch möglichst viele mitzunehmen, wird der alte VW-Bus von Bashar mit Leuten zugeschlichtet und die Kinder kommen in den Kofferraum (resp. hinterer, abgetrennter Teil des VWs). Während der Fahrt (ich sitz glücklicherweise vorne) machen die Kinder Stimmung und singen, schreien, kreischen und klatschen ein Potpourri aus verschiedensten Musikstücken traditioneller und zeitgenössischer Natur.
Die Spezialität in diesen Dörfern sind in einfachen Holzöfen gebackene Fladen oder auch verschieden gefüllte Tascherl aus dem gleichen Teig. Abgesehen von den kaputten Weintrauben, die die Ameisen, im Baum über mir, auf mich werfen, gefällts mir gut. Nargileh rauchen, essen, Tee trinken…

17/8/2004

Strand

Filed under: — stefan @ 15:52

Die (Bezahl-)Strände sind (im Vergleich zu der öffentlich zugänglichen Küste) sehr gepflegt, aber dafür auch empfindlich teuer. Die EisColaEtc-Sachen kosten hier mehr als ein Restaurantbesuch draussen. Da ich ned so gern in Plastiksackerln bade und auch Quallen nicht zu meinen Lieblingstieren gehören, bin ich trotzdem ganz zufrieden damit. Das Meer ist bacherlwarm (nein, ned wegen der pinkelnden Kinder) und dank einem grossen Zaun( etwa 100m vom Strand weg) auch frei von bösem Getier.

Am Strand

Ich entdecke auch eine neue Spezialität: Tut-Eis
Das ist so eine Art Sorbet (ähnlich ital. Granita), also nur (Wasser-)Eis und ein bisschen Frucht. Es eignet sich gleichermassen zum Essen und zum Trinken. Optimal, zumal sehr kalte Getränke eher Mangelware sind.
Sonst vergehen die Strandtage mit herumlümmeln und untauglichen Versuchen den zahlreichen Kindern in der Verwandschaft Schwimmen beizubringen.

16/8/2004

Dinos und Ugarit

Filed under: — stefan @ 22:13

Nach einem Tag am Strand bin ich wieder erholt genug heute ein paar alte Steine zu besichtigen. Am Vormittag fahre ich mit Rami, Lona und ihrem Vater zur hiesigen Uni, wo ein paar Dinosaurierknochen und -modelle ausgestellt sind. Der Uniportier macht Schwierigkeiten. Lonas Vater traegt, wie ich, Shorts. Ich bin aber als kulturloser Auslaender erkennbar und darf deshalb ohne Probleme auf das Unigelaende. Er nicht. Nach einiger Streiterei und einem Telefonat darf er auch mit. Die Ausstellung ist nett gemacht und sogar zweisprachig.
Lona, Georg (ihr Bruder), Ramy (Mann von Cousine Susu und Mitglied der syrischen archaeologischen Gesellschaft) und ich fahren am Nachmittagmit Ramis PickUp die paar Kilometer raus zu den Ausgrabungsstaetten. Georg und ich sitzen hinten auf der Ladeflaeche und trinken Bier. Ploetzlich beginnt er sich hektisch (bei ca. 100 kmh) umzuziehen. Als er meinen fragenden Blick bemerkt, deutet er auf sein umgeschuettetes Bier, das sich grad gemuetlich unter mir sammelt. Ich hab nix zum wechseln und muss somit nach Bier stinken. Schon Schlimmeres erlebt. Ugarit selbst gefaellt mir sehr. Ich schwitz zwar wie die Sau, kletter aber sehr gern in dem riesigen Truemmerfeld herum. Lona hat hohe Schuhe und einen langen Rock und humpelt eher lustlos und barfuss in den Disteln herum.
Nach einer ausgedehnten Besichtungstour fahren wir noch ein bisschen die Kueste entlang. Hinten im PickUp sitzen ist saugeil. Ich hab nur Angst meine Brille zu verlieren, aber sonst ist der Fahrwind und die Stimmung bei Sonnenuntergang spitze. Wir halten an einem Stueck Steilkueste mit sehr schoenen weissen Kalkfelsen und klettern ein bisschen drauf herum. Rund um uns sind ein paar Kids, die von den Klippen springen und fischen. Wir finden einen Freund fuer Lona, der unbedingt mitgenommen werden muss: Ein etwa 5cm grosser (toter und getrockneter) Krebs samt Muschelhaus drum herum. Ich will ihn ned, weil er mieft, aber Lona besteht darauf ihn mitzunehmen. Zurueck gehts noch schneller. Ich fuehl im Fahrtwind zum ersten Mal in Syrien so was wie Kuehle. Schoen…

14/8/2004

Marmarita

Filed under: — stefan @ 21:07

Anlaesslich des morgigen Marienfeiertags (ich glaub es ist Maria Empfaengnis) findet in einem Dorf namens Marmarita eine Art Karnevalsumzug statt. Wie sich dort aus der eher oeden “normalen” Herumtragerei der Marienstatue ein Faschingsumzug entwickelt hat kann mir niemand sagen, dennoch will ich dieses Volksfest nicht versaeumen. Angeblich soll der Umzug um 14h00 stattfinden und bis dorthin sinds 3 Stunden Fahrt. Deshalb werd ich schon um halb 8 von Lona aus meinen suessen Traeumen gerissen und muss mich reinigen und anziehen. Ein ganzer Haufen von ihren Verwandten will mitkommen. Das erschwert die Organisation betraechtlich. Die eine will vorher noch was erledigen, eine weitere irgendwas einkaufen. Lona rastet jetzt schon fast aus. Ein Kleinbus samt Fahrer muss auch noch beschafft werden. Ein Onkel uebernimmt diese Aufgabe, aber irgendwas geht schief und der Bus ist so um 12h00 immer noch nicht da. Lona schimpft und kaeppelt herum. Ich hab mich an diese Mentalitaetsprobleme gewoehnt und trau mich zu sagen, dass ber Bus halt mit uns woanders hinfahren soll, wenn sichs nicht mehr ausgeht. Falsch gedacht, der Bus ist nur fuer diese Strecke bestellt und genehmigt und kann, will oder darf nirgends sonst hinfahren. Auch gut…
So um 13h00 kommt der Bus daher und wir fahren los. Langsam verstehe ich den Grund fuer die Organisationsprobleme: Es kann fuer den noblen Europaeer (ich :-) ) natuerlich nur ein neuer Bus mit AirCondition eingesetzt werden. Ob ich das will, bzw. ob mir das guttut ist in diesem Fall egal. Die Fahrt sebst verlaeuft kalt und unspektakulaer. Wir kommen nach einer ziemlichen Raserei um 15h00 in Maramarita an. Der Umzug hat eh noch nicht stattgefunden, sondern soll so um halb 6 beginnen. Na gut, wenigstens nix versaeumt. Wir betreten ein Lokal neben der Umzugsroute um Erfrischungen zu konsumieren und Plaetze fuer spaeter zu reservieren. Das ganze ist ein relativ teurer Spass, da man hier sogar fuer die Reservierung bezahlen muss; und zwar pro Platz. Ein kurzer Spaziergang durch das Dorf, Amusement ueber die Polizei, die versucht die Autos von der Haupstrasse wegzukriegen und gleichzeitig verhindern will, dass neue reinfahren. Lustig. Susu (Cousine von Lona) hat grosse Angst vor Hunden. In den Staedten gibts eigentlich keine. Hier am Land aber umso mehr. Wir lernen so eine nette Familie kennen, nachdem Susu in deren Haus gefluechtet ist (vor einem weit entfernt schlafenden Hund) und einen Greissler, der extra fuer sie einen Hund mit einem gezielten Schuss aus einer Luftpistole verjagt (sie steht hinter der Kasse). Zurueck in dem bestellten Lokal. Es gibt eigentlich nix. Nur Getraenke in Dosen, das schlechte syrische Bier (es gibt gutes auch!), keine Glaeser und ausser Pommes auch nix zum Essen. Dafuer hat man beste Aussicht auf den Umzug und den (das?) Crac de Chevalier (irgendeine beruehmte Burg) im Hintergrund am Gegenueber-Berg. Die Strassen fuellen sich mit Einheimischen und Touristen aus dem Irak und dem Libanon.
Der Umzug beginnt. Die Umzugswagen sind recht aufwendig hergerichtet und hauptsaechlich entweder mit noch aufwendiger hergerichteten jungen Frauen oder mit als Frauen verkleideten Maennern bestueckt. Es gibt einige Bibelszenen aber meistens sinds so Spasspartien, die sich mit Arrak betaeuben und verschiedene Sachen parodieren.
Bilder auf der offiziellen Seite von Marmarita
Die beiden Hauptattraktionen sind eine riesige Giraffe mit beweglichem Hals und eine Art Kreuzung aus einem Pandabaeren und Fuchur (der Drache aus der unendlichen Geschichte), der auch seinen Kopf hydraulisch 3 Meter hoch heben kann.
Fuchur-Panda
Nach dem Umzug drehen wir noch einen Runde durch den Ort und schauen ein bisschen den Festlichkeiten zu. Zum Abschluss des Ausfluges will man mir noch so eine Art Turm oder Wehrkirche an der Grenze zum Libanon zeigen. Das Verlassen des Ortes gestaltet sich wegen der Strassensperren und der vielen Menschen als schwierig. Wir holpern auf kleinen (bei uns einspurigen) Strassen dahin und ich hau mir gewaltig die Birne am Autodach an, als unser Fahrer ein Schlagloch elegant mit 80 nimmt. Es ist schon mitten in der Nacht als wir bei dem Turm ankommen, der natuerlich geschlossen hat. Die Aussicht ist trotzdem wunderschoen und einige einheimische Kids feiern mit gewaltigen Krachern.
Zurueck in Latakia wird noch mehr Verwandschaft dazugepackt und wir fahren (es ist ca. Mitternacht) noch zu einem Marienheiligtum in der Naehe, wo jetzt Gebete stattfinden sollen. Dort angekommen, seh ich erstmal keine Betenden, sondern nur eine Unmenge parkender Autos und bin erstmal benommen von dem Rauch unzaehliger Grillgereatschaften. Mitten in dem Rauch steht eine kleine Kapelle, wo die Menschen Ikonen kuessen und Kerzerl anzuenden. ICh amuesier mich ueber die Leute, die ihr Geschirr und ihr Grillzeug in der heiligen Quelle waschen, werde aber berichtigt, dass die heilige Quelle im hinteren Teil der Kapelle ist und ich Depp die profane Wasserleitung fuer heilig halte. Zurueck nach Latakia und todmuede ins Bett

12/8/2004

Das letzte Fest

Filed under: — stefan @ 22:27

Ein Fest (sozusagen als Nachfeier der Hochzeit) steht noch an. Diesmal allerdings in kleinerem Kreis in einem Lokal. Natuerlich gibts auch dort Live-Musik mit irgendeinem beruehmten Saenger, den ich nicht kenn. Ich bin etwas angeschlagen und trinke deshalb nur schwarzen Tee. Ums Tanzen komm ich auch diesmal nicht herum. Also geh ich in die Offensive und hupf als allererster in dem ganzen Lokal auf der Tanzflaeche herum. Das ermoeglicht mir spaeter eher die draengenden Aufforderungen zu umgehen. Klappt ganz gut.
Ich bin sehr froh, dass die ganzen Feste jetzt vorbei sind und ich mich auch ein bisschen erholen kann.

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