marderh.blog

20/8/2004

Rückflug

Filed under: — stefan @ 16:55

Ziemlich Übernachtig gehts zum Flughafen. Es ist jetzt grad en bisschen nach 4 Uhr früh und auf diesem Provinzflughafen ist fast nix los. Es sind zwar Leute da, aber ich vermute die knotzen da nur wegen der klimatisierten Halle herum…
Um 4:30 sollte eigentlich der CheckIn öffnen. Tut er aber nicht. Trotzdem bildet sich, wie aus dem Nichts, eine Schlange vor dem Einlass, der plötzlich bewacht wird. Volumensmässig stehen in dieser Schlange sicher 5x mehr Gepäckstücke als Menschen. Nach einiger Zeit des Betrachtens dieser kuriosen Koffer- und Bündelmengen, öffnet der Schalter und ich lass mich von Lona überreden mich auch da anzustellen. Neben der Schlange werden an einem Schalter kleine Markerl verkauft, die offenbar zum Betreten des Flughafens notwendig sind. Ich weigere mich natürlich sowas zu kaufen. Im Prinzip eine Frechheit. Ich bleibe hart. Nicht lange… Lona kauft das Markerl für mich. Natürlich is das eh besser, weil direkt hinter mir weigern sich auch welche das Ding zu erwerben und werden natürlich ned reingelassen. Ich verabschiede mich von Jakob und (länger) von Lona. Wir sind das erste Mal seit unserer Hochzeit getrennt. Buhuh.
So ich bin auf mich allein gestellt, ohne Dolmetscherin. Die erste Gepäckkontrolle gleich nach dem Eingang und das Gpäckaufgeben gehen noch ohne Probleme an mir vorbei. Weiter gehts mit der Passkontrolle:
Hier läufts schon eher unrunder. Der erste Typ schickt mich zum Schalter “Arab Passports”. Der Typ dort schickt mich wieder weg. Der andere mich wieder hin. usw. Irgendwann erbarmt er sich doch und nimmt meinen Pass und tipselt in seinem antiquierten Rechner herum. Oh ein Problem. Er will offenbar irgendein Papier von mir…
Langsam versteh ich: Das leere Visa-Formular mit dem Stempel von der Einreise. OhOh hab ich nimmer. “Mafi (Es gibt nicht) Paper”. Wie gut, dass doch ein paar Brocken Arabisch hängen geblieben sind. Englisch kann da jedenfalls keiner. Drei mal sag ich noch “maafi paper” und er gibts auf und lässt mich durch.
Noch schnell in den DutyFree-Shop und die letzten Lira loswerden. Fehlanzeige. Zahlen kann mensch nur mit Dollar oder Euro. Dafür is es relativ billig. Raus aus dem Shop und einen Tee trinken. Es ist jetzt 5:00 und die Müdigkeit (die Nacht ist ja durchgemacht) breitet sich in mir aus. Der Barkeeper schläft und muss erst gesucht und geweckt werden. Der Tee (Lipton Schmarrn bäh) kostet so viel wie ein ganzes Abendessen draussen hilft mir aber zumindest einige Zeit über den Durchhänger. Aber jetzt:
Das Gate wird geöffnet. Wieder Schlange stehen. Sonst ist in diesem Land kein Mensch pünktlich, am Flughafen sinds aber alle sofort dran. Nochmal Kontrolle von Pass und Handgepäck. So jetzt könnts eigentlich losgehen.
Kanns natürlich nicht, das Flugzeug ist zwar da, aber keiner darf einsteigen. Ich versteh sowieso nix und leg mich hin. Eher unbequem so auf meinem Rucksack gebettet. Offenbar fehlt ein Typ in der Maschine, die vorher starten sollte und der ist bei uns. Also im falschen Gate. Mindestens fünf mal rennen Flughafenknechte durch und suchen den Kerl. Wer is es?
Natürlich der einzige Depp unter hundert Leuten, der grad schläft, eh klar. Irgendwann überreissen das auch die Knechte und ich hoffe auf baldige Abreise. Nix da.
Eine junge Frau, begleitet von drei Offizieren, die ihr Handgepäck tragen, betritt die Szene, wird um alle Kontrollen herumgeführt und zu unserem Flieger chauffiert. Nettes Service. Kurz darauf darf auch das gewöhnliche Volk in den Bus, der uns ungefähr 50 Meter hin zum Flugzeug transferiert. Im Flieger ist das Chaos perfekt. Die Leute streiten um Platz in den Handgepäcksfächern. Der Flieger kommt schon aus Damaskus und war nur halb voll, doch in den Handgepäcksfächern ist fast kein Platz mehr. Die Syrer schleppen offenbar die halbe Lebenmittel- und Kunstgewerbeproduktion des Landes mit nach Europa und zwar als Handgepäck. Das Personal bemüht sich, baut Sauerstoffflaschen aus und schafft so noch etwas Platz für meinen Rucksack. Ein neuer Konflikt bahnt sich an:
Die junge Frau von vorhin hat, offenbar aufgrund von guten Beziehungen, einen Platz bekommen, der eigentlich besetzt ist. Eine Familie muss ein Kind auf die Schoss nehmen. Welche das jetzt sein soll dürfte die Ursache der Streiterei sein. Ich steh jedenfalls sicher nimmer auf. Es trifft eine Familie. Er Syrer, sie Deutsche und drei Kinder. Köstliche Dialoge spielen sich direkt vor meiner Nase ab. Sie: “Jetzt beschwer dich doch mal, das ist eine Riesensauerei was die hier mit uns machen”. Er versuchts (allerdings sehr höflich) ohne Erfolg. Irgendwann sind alle mehr oder minder zufrieden und schweigen. Ich nutze die relative Stille zum Schlafen und wache erst in Wien wieder auf.

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