marderh.blog

14/8/2004

Marmarita

Filed under: — stefan @ 21:07

Anlaesslich des morgigen Marienfeiertags (ich glaub es ist Maria Empfaengnis) findet in einem Dorf namens Marmarita eine Art Karnevalsumzug statt. Wie sich dort aus der eher oeden “normalen” Herumtragerei der Marienstatue ein Faschingsumzug entwickelt hat kann mir niemand sagen, dennoch will ich dieses Volksfest nicht versaeumen. Angeblich soll der Umzug um 14h00 stattfinden und bis dorthin sinds 3 Stunden Fahrt. Deshalb werd ich schon um halb 8 von Lona aus meinen suessen Traeumen gerissen und muss mich reinigen und anziehen. Ein ganzer Haufen von ihren Verwandten will mitkommen. Das erschwert die Organisation betraechtlich. Die eine will vorher noch was erledigen, eine weitere irgendwas einkaufen. Lona rastet jetzt schon fast aus. Ein Kleinbus samt Fahrer muss auch noch beschafft werden. Ein Onkel uebernimmt diese Aufgabe, aber irgendwas geht schief und der Bus ist so um 12h00 immer noch nicht da. Lona schimpft und kaeppelt herum. Ich hab mich an diese Mentalitaetsprobleme gewoehnt und trau mich zu sagen, dass ber Bus halt mit uns woanders hinfahren soll, wenn sichs nicht mehr ausgeht. Falsch gedacht, der Bus ist nur fuer diese Strecke bestellt und genehmigt und kann, will oder darf nirgends sonst hinfahren. Auch gut…
So um 13h00 kommt der Bus daher und wir fahren los. Langsam verstehe ich den Grund fuer die Organisationsprobleme: Es kann fuer den noblen Europaeer (ich :-) ) natuerlich nur ein neuer Bus mit AirCondition eingesetzt werden. Ob ich das will, bzw. ob mir das guttut ist in diesem Fall egal. Die Fahrt sebst verlaeuft kalt und unspektakulaer. Wir kommen nach einer ziemlichen Raserei um 15h00 in Maramarita an. Der Umzug hat eh noch nicht stattgefunden, sondern soll so um halb 6 beginnen. Na gut, wenigstens nix versaeumt. Wir betreten ein Lokal neben der Umzugsroute um Erfrischungen zu konsumieren und Plaetze fuer spaeter zu reservieren. Das ganze ist ein relativ teurer Spass, da man hier sogar fuer die Reservierung bezahlen muss; und zwar pro Platz. Ein kurzer Spaziergang durch das Dorf, Amusement ueber die Polizei, die versucht die Autos von der Haupstrasse wegzukriegen und gleichzeitig verhindern will, dass neue reinfahren. Lustig. Susu (Cousine von Lona) hat grosse Angst vor Hunden. In den Staedten gibts eigentlich keine. Hier am Land aber umso mehr. Wir lernen so eine nette Familie kennen, nachdem Susu in deren Haus gefluechtet ist (vor einem weit entfernt schlafenden Hund) und einen Greissler, der extra fuer sie einen Hund mit einem gezielten Schuss aus einer Luftpistole verjagt (sie steht hinter der Kasse). Zurueck in dem bestellten Lokal. Es gibt eigentlich nix. Nur Getraenke in Dosen, das schlechte syrische Bier (es gibt gutes auch!), keine Glaeser und ausser Pommes auch nix zum Essen. Dafuer hat man beste Aussicht auf den Umzug und den (das?) Crac de Chevalier (irgendeine beruehmte Burg) im Hintergrund am Gegenueber-Berg. Die Strassen fuellen sich mit Einheimischen und Touristen aus dem Irak und dem Libanon.
Der Umzug beginnt. Die Umzugswagen sind recht aufwendig hergerichtet und hauptsaechlich entweder mit noch aufwendiger hergerichteten jungen Frauen oder mit als Frauen verkleideten Maennern bestueckt. Es gibt einige Bibelszenen aber meistens sinds so Spasspartien, die sich mit Arrak betaeuben und verschiedene Sachen parodieren.
Bilder auf der offiziellen Seite von Marmarita
Die beiden Hauptattraktionen sind eine riesige Giraffe mit beweglichem Hals und eine Art Kreuzung aus einem Pandabaeren und Fuchur (der Drache aus der unendlichen Geschichte), der auch seinen Kopf hydraulisch 3 Meter hoch heben kann.
Fuchur-Panda
Nach dem Umzug drehen wir noch einen Runde durch den Ort und schauen ein bisschen den Festlichkeiten zu. Zum Abschluss des Ausfluges will man mir noch so eine Art Turm oder Wehrkirche an der Grenze zum Libanon zeigen. Das Verlassen des Ortes gestaltet sich wegen der Strassensperren und der vielen Menschen als schwierig. Wir holpern auf kleinen (bei uns einspurigen) Strassen dahin und ich hau mir gewaltig die Birne am Autodach an, als unser Fahrer ein Schlagloch elegant mit 80 nimmt. Es ist schon mitten in der Nacht als wir bei dem Turm ankommen, der natuerlich geschlossen hat. Die Aussicht ist trotzdem wunderschoen und einige einheimische Kids feiern mit gewaltigen Krachern.
Zurueck in Latakia wird noch mehr Verwandschaft dazugepackt und wir fahren (es ist ca. Mitternacht) noch zu einem Marienheiligtum in der Naehe, wo jetzt Gebete stattfinden sollen. Dort angekommen, seh ich erstmal keine Betenden, sondern nur eine Unmenge parkender Autos und bin erstmal benommen von dem Rauch unzaehliger Grillgereatschaften. Mitten in dem Rauch steht eine kleine Kapelle, wo die Menschen Ikonen kuessen und Kerzerl anzuenden. ICh amuesier mich ueber die Leute, die ihr Geschirr und ihr Grillzeug in der heiligen Quelle waschen, werde aber berichtigt, dass die heilige Quelle im hinteren Teil der Kapelle ist und ich Depp die profane Wasserleitung fuer heilig halte. Zurueck nach Latakia und todmuede ins Bett

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