My Big Fat Arabian Wedding
Ich verlass das Hotel und fahr mit dem Taxi zur Kirche. Dort steig ich aus und seh exakt niemanden ausser dem Blumenhaendler und den lieben Markus (meinen Trauzeugen). Offenbar unterliegt auch der Hochzeitstermin arabischer Zeitmessung. Langsam trudeln Gaeste ein. Ich spiel Gruessaugust, weil ich eh niemand kenn. Der Patriarch und andere Geistliche sind auch da. Ein bisschen Smalltalk. Irgendwann kommt ein Typ und will was von Lonas wichtigem Onkel George. Ich versteh ned ganz wer oder was er ist (Botschafter oder so), also wieder Smalltalk. Wie wird man eingentlich Diplomat mit derartig schlechtem Englisch. Was solls…
Ich hoer den Trubel auf mich zukommen und stell mich auf den eilig ausgerollten, roten Teppich. Ich seh eine Stretch-Limo (von der ich bisher nix wusste) aber immer noch keine Braut. Das Kommando haben laengst der Fotograph und der Kameramann uebernommen. Ich mag die Typen ned.
Endlich steigt Lona (zum rehren schoen) aus und wir gehen in die Kirche. Am Eingang muessen wir noch ein Schleifchen gemeinsam aufzupfen und schreiten zum Altar (so das bei den Orthodoxen ueberhaupt einer ist, Stasis heisst auf jeden Fall die Wand mit den Ikonen). Der Patriarch uebersetzt einen Teil seiner Weisheiten fuer mich auf Englisch. Insgesamt sind drei Baertige an der Zeremonie, die angenehm kurz ist, beteiligt. Ich habe etwas Panik, da mir natuerlich niemand vorher erklaert hat, was ich tun soll. Das “Ja” (extra auf arabisch geuebt: “Naam ana uriet”) ist jedenfalls gleich am Anfang. Dann kommen allgemeine Belehrungen (“You shall provide your wife with clothing and housing” etc…) und ich bekomme eine Krone, die vorher noch schnell vergroessert wird, aufgesetzt. Im Wesentlichen wars das.
Die Trauzeugen (Susu, Markus) und wir unterschreiben die Papiere und bekommen eine Art Trauschein. Die Glueckwuensche der engsten Angehoerigen beginnen noch vorne. Lona bekommt eine Menge Schmuck umgehaengt und angesteckt. Ich krieg einen Ring von ihrem Vater, eine Krawattennadel von ihrem Onkel und ein Armband von einem Cousin. Wir stellen uns zum Kircheneingang und die Glueckwuenschen (zumeist verbunden mit BussiBussi) gehen weiter. Noch mehr Gold fuer Lona. Ich bekomme Kouverts in die Taschen gesteckt.
Der Fotograph uebernimmt wieder die Fuehrung und laesst uns sehr lange posieren. Ich bin nah dran ihm eine aufzulegen, als er meinen Kopf zum x-ten mal herumdreht. In der Kirche geht das natuerlich nicht. Wir verlassen als letzte die Kirche und ich kann endlich die Limousine von innen sehen. Jetzt sollten wir in eine Wohnung kommen um uns auszuruhen und vor der Hochzeitsfeier frischmachen zu koennen. Das Riesengefaehrt hat aber Batterieprobleme und benoetigt ein Taxi zum starten. Bei der Wohnung ist die Strasse zu eng und wir bekommen nur eine kurze Pinkelpause, dann muss das Teil mit uns wieder weg. Somit fahren wir halt durch die Stadt und Lona und ich stehen im Auto und schauen durch das Schiebedach oben raus. Die Leute winken und die Polizisten salutieren. Sehr nett.
Endlich duerfen wir zur Feier. Ein Riesen-Saal voller Menschen (fuer hiesige Verhaeltnisse eine kleine Hochzeit). Wir setzen uns und ich wuerd gern etwas trinken und ein bisschen essen. Geht nicht. Wir muessen sozusagen die Tanzerei eroeffnen. Auch schoen.
Nachher tanzen die meisten Gaeste wie irr und die Band blaest uns fast von den Sesseln (wir sitzen direkt neben den Lautsprechern). Die Rolle des Tanzbaeren gefaellt mir besser als die des Tauben. Weiter gehts. Lona und ich werden mehrmals aufgehoben und herumgetragen (Danke an Tom und Bashar, ich weiss ich bin ned leicht). Fuer alle ausser uns fliesst der Whisky (ich nippe immer nur, mag ned an meiner Hochzeit kotzen). Ich werd oftmals umarmt (“you are my new brother”) und gekuesst. So gegen vier in der Frueh loest sich die Gesellschaft langsam auf und gegen fuenf gehen auch Lona und ich.





