Raus aus dem Flieger! Zwischen Flugzeug und Bus fang ich schon zu Schwitzen an. Staub umweht mich. Ich bin in Syrien.
Nochmal kurz die Zoll-Tips von Lona memoriert:
- Gepaecktraeger nehmen, sonst zerlegt der Zoll das Gepaeck
- Hoeflich sein
Und vor allem:
- Nicht aufregen, schimpfen und sonstwie durchdrehen.
Gut.
Ich komme zur Passkontrolle. Mein Pass und mein Visum werden beaeugt. Man spricht mit mir. Ich versteh nix. Man versuchts Englisch: “Where go Syria?”. Ich antworte pflichtgemaess “Latakia”. Es geht weiter: “Where Latakia?”. Hm… Ich hab keine Adresse und schau verwirrt und blauaeugig drein und zuck mit den Schultern. Das ist nicht genug: “Latakia Telephone Number!”. Ah ich versteh. Das kann ich. Ich zuecke mein Handy und schalt es ein um Lonas Nummer herzuzeigen. Das Handy will aber nicht so flott und unterhaelt sich lieber still mit lokalen Telcos. “Bitte warten” am Display. Ich zeige das “Bitte Warten” dem Zolllamettatraeger und schau weiter unschuldig. Er gibt mir ein Visaformular und bedeutet mir die Telefonnummer da drauf zu schreiben. Ich weiss sie noch immer nicht und beginne das Formular richtig, aber im konkreten Fall zweckentfremdet, auszufuellen. Bei “Fathers Name” reisst der Schlange hinter mir (es gibt nur einen Schalter!) der Geduldsfaden und es wird geschimpft. Ned drauf einsteigen, des is ned dein Krieg. Der Zoellner verliert die Geduld und wirft mich raus, oder eher rein. Ich bin in Syrien.
Weiter zum Gepaeckaufklauben. So wo sind jetzt die noetigen Traeger? Ich komm offensichtlich zu spaet und bekomm keinen mehr. Mist.
Ich nehm meinen Koffer und will raus. Der Zoll winkt mich auf die Seite. Scheisse. Mein Koffer wird aufgemacht und gleich wieder zugemacht. Uff – Glueck gehabt. Ich erfahre spaeter, dass Lonas Tips nur fuer Damaskus gelten und die Gepaecktraeger in Aleppo Flughafenangestellte und somit gratis sind.
Ich komm raus, wuehl mich durch die Menschenmenge und umarme Lona und ihren Vater.
Raus aus dem Flughafen und Taxi checken. Wir nehmen einen Kleinbus. Der Kleinbus faehrt los. Nach 10 Minuten gibts eine Streiterei, weil der Fahrer nicht so faehrt wie Lonas Vater das will. Wir fahren naemlich nicht auf die Umfahrungsstrasse, sondern direkt in das Gewuehl der Innenstadt von Aleppo. Mir gefaellts. Alles sehr orientalisch. Schmutz, Haendler, unglaublich chaotischer Verkehr. Kein Auto hat Lack in Stossstangenreichweite. Der Streit legt sich. Wir machen eine Kurzstadtrundfahrt und ich sehe das Kastell von aussen, das historische Stadttor incl. Stadtmauern und vieles mehr. Sehr schoen.
Dann gehts ab auf die Bundesstrasse. Waghalsige Ueberholmanoever und ein ziemlicher Speed fuer das klapprige Japangefaehrt. Es wird viel gehupt und jede moegliche Sprungschanze genutzt. Nach ein paar Kilometern werden wir bei jedem Ueberholen angeblinkt. Die Erklaerung von Jakob (Lonas Vater): “Fahrer aus der Stadt fahren im Vergleich zur Landbevoelkerung eher agressiv” und deshalb sind die hiesigen Gscherden nicht einverstanden mit dem Fahrstil. Wie ueberall.