Heimische Hochzeit
Wenn in Syrien sooo viele Feste gefeiert werden, kann mensch ja in Ö nicht ruhig bleiben. Also gibts auch hier ein Fest fuer uns. Ich breche dafür meinen Schwur erst Weihnachten 2080 wieder etwas zu feiern (es waren jetzt schon ein bisserl viele Feste in Syrien und ich war schon ein bisserl genervt davon
).
Nach ein paar Tagen festloser Zeit gehts schon wieder und hinein ins Vergnügen:
Wo oder Wie das ganze stattfinden soll wissen Lona und ich nicht. Immerhin heissts wir werden abgeholt. Nun denn…
Mit leichter Verspätung holt uns Edith ab und verbindet uns beiden die Augen. Eine letzte Zigarette vor der Fahrt ins Ungewisse. Kommentar eines vorbeifahrenden Skaterkids: “Is des a Blind-Date?”. Edith: “Na, die sind schon verheiratet”. Während der Fahrt glaube ich zu Anfang noch mich anhand der Kurven orientieren zu können, scheitere jedoch schon nach 2 Kreuzungen.
Wir sind da. Lona checkt sofort (noch blind) wo wir sind (eigentlich bewundernswert, sonst finds eher schwer wohin). Ich nicht.
Auch ohne Tuch (allerdings auch ohne Brille) brauch ich ein bisschen um mich zu orientieren. Wir sind beim Kuku. Eh logisch, wo sonst…
Die Dekoration bildet ein sog. Schippbogen (ich hoff ich habs korrekt gehochdeutscht “Schwübogn” oder so), der unter seltsamen und dankenswerten Umständen den Weg hierher gefunden hat.
Eine Reihe von Aufgaben wartet schon auf uns. Zuerst amal ein Glaserl Sekt. Gläser zammhauen. Soweit ichs verstanden hab (ich bin mit den heimischen Bräuchen ähnlich vertraut, wie mit den syrischen) sollt das jetzt die Braut zammkehren. Antisexistischerweise muss ich da mit Beserl und Schauferl die Scherben einkehren. Schaff ich natuerlich. Zur Belohnung gibts ein Schnapserl.
Nächster Bewerb ist Tempelhupfn zu zweit. Lona beweist, dass sies allein gut kann. Zu zweit haben wir mehrere Fehlversuche. Schliesslich nehm ich sie huckepack und wir bestehen. Schnapserl.
Zum Sägen. Es gilt zu zweit mit einer Zugsäge einen (dankeswerterweise kleinen) Baumstamm zu teilen. Klappt auch ganz gut, abgesehen von leichten Schwächen der Halterung. Schnapserl
Wir werden mit Handschellen zammgebunden. Schnapserl
Im Lokal gibts erst mal eine Pause und Bier. Die Dekoration der Tische mit roten Nelken ist auch vom feinsten. Wir (eher Lona) reden über Syrien und alles mögliche. Runde Baucherl.
Ich bemerke leichten Verfall bei Lona und weise sie drauf hin (Reaktion: “Spassverderber”).
Kurzer Ausflug an die frische Luft um das Ilse&Lösch-Baby zu bestaunen. Sekt.
Es geht ans Sockenstopfen (wieder in antisexistischer Arbeitsteilung). Ich stopfe (eher nähe) das Loch im Socken zu und Lona trinkt ein Bier in der Zeit. Sie ist natürlich schneller. Ich brauch allein 2 Minuten den Faden durch die Nadel zu kriegen. Schnapserl.
Lonas Ehering kommt in eine Mehltorte (eh schon wissen, das Kindergeburtstagsspiel) und wir scheiden abwechselnd Stücke davon ab. Lona schwankt schon ein bissi und ich gewinne. Das Herausholen des Rings mit dem Mund gestaltet sich eher kompliziert. Nach einigen Anläufen schafft sies. Schnapserl fuer mich, Wasser fuer Lona.
Kurz drauf gehts wieder an die frische Luft. Lona ist schlecht. Lona wird immer schlechter. Lona speibt.
Stefan muss Lona nach Hause bringen. Danke Lona. Wir versäumen die grossartige Torte und die restlichen Spiele, aber immerhin sind wir noch vor Mitternacht zu Hause. Das ist sicher sehr gut fuer meine Gesundheit.
Der Taxifahrer ist relativ tolerant gegenüber Fahrgästen mit Speibsackerl, die sich sofort hinlegen. Zum Dank dafuer hinterlassen wir sein Taxi sauber. Die 4 Stockwerke zu mir erfordern noch eine kleine Kraftanstrengung meinerseits. Lona fällt ins Bett. Ich zieh ihr die Schuhe und den Rest aus. Sackerl danebengestellt. Zum Glück gibts keine weiteren Unpässlichkeiten. In der Früh komm ich drauf, dass ich ihr das löchrigste Sackerl der ganzen Wohnung grosszügig zur Verfügung gestellt hab.
Auf jeden Fall nochmal Danke an alle fuer das schöne Fest.
Positiverweise hab mich gar nicht aufregen und schimpfen müssen, weil Lona in Folge selber eher geknickt und von schlechtem Gewissen geplagt war. Nächstes Jahr bei der standesamtlichen Trauung wird mensch sehen, obs was draus gelernt hat.





